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Der Mann, der aufrecht blieb

Roman

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783821807126
Sprache: Deutsch
Umfang: 306 S.
Format (T/L/B): 3 x 21.8 x 13 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

"Fords Roman ist grandiose Weltliteratur." Joachim Scholl im Deutschlandfunk Nach jahrelanger Trennung und Ungewißheit sehen sich der Kriegsheimkehrer Christopher Tietjens und die von ihm verehrte Valentine Wannop am Tag des Waffenstillstands wieder. Doch die quälenden Bilder des grauenhaften Krieges lassen ihn noch nicht los. Allerdings hat er jetzt - nachdem im Krieg die alte Welt des Viktorianismus und der feudalen Tradition untergegangen ist - die Kraft, sich den Angriffen seiner ihn hassenden Ehefrau zu entziehen, und ist reif, sich zu seiner Liebe zu Valentine zu bekennen. Bisher hatte er sich dies aus Gründen gesellschaftlicher Konvention versagt. Aus dem Alptraum des Krieges und dem Chaos einer orientierungslosen Gegenwart erwächst den Liebenden die Chance eines Neubeginns. Mit Der Mann, der aufrecht blieb gelang Ford Madox Ford eine letzte große Schau des Zerfalls der englischen Gesellschaft im Ersten Weltkrieg. Seine Fähigkeit, die Nachwirkungen der historischen Ereignisse bis in die Seelen der Menschen hinein zu erkennen und zu beschreiben, machen ihn zu einem der "ganz großen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts" (Graham Greene).

Leseprobe

Teil Eins Langsam, unter unerträglichem Lärm, der teils von derStraße, teils von dem weiten und mächtig widerhallendenSchulhof zu ihr drang, verwandelte sich das Innere desTelephons für Valentine in etwas, was es schon in früherenJahren für sie gewesen war ? es erschien ihr als Requisitdes unerforschlichen Schicksals. Es war auf subtile Weise beunruhigend, daß das Telephonaus unerfindlichen Gründen gänzlich unabgeschirmtin einer Ecke des großen Schulraums stand, und nachdemsie in einem Augenblick banger Erwartung mit höchsterDringlichkeit vom asphaltierten Schulhof gerufen wordenwar ? wo sie die unter ihrer Anleitung in Reihen aufgestelltenund wie unter elektrischer Hochspannung stehendenMädchen gerade noch hatte im Zaum haltenkönnen ?, wurde Valentine, sobald sie den Hörer ans Ohrhielt, von einer Stimme, die ihr halbwegs bekannt vorkam,schlagartig mit ihr unverständlichen Mitteilungenüberschwemmt. Genau aus der Mitte eines Satzes bekamsie einen Treffer ab: »? daß er voraussichtlich unter Aufsicht gestellt werdenmüsse, was Ihnen nicht gefallen dürfte!« Danachplatzte der Lärm wieder los und ließ die Stimme unhörbarwerden.Eigentlich, dachte sie, müßte die ganze Welt in diesenMinuten unter Aufsicht stehen; sie wußte, daß es auf sieselbst zutraf. Aber einen männlichen Verwandten, fürden speziell diese Feststellung gelten konnte, hatte sienicht. Ihr Bruder? Der war ja auf einem Minenräumboot.Das lag derzeit im Dock. Und jetzt ? endgültig in Sicherheit!Es gab da auch einen alten Großonkel, densie nie gesehen hatte. War irgendwo Domdechant. ? InHereford? In Exeter? ? Irgendwo ? Hatte sie eben Sicherheitgesagt? Sie wankte vor Glück! Sie sagte in die Sprechmuschel: »Valentine Wannop am Apparat. ? Leibeserzieherinan dieser Schule, hören Sie?« Sie mußte den Eindruck erwecken, völlig bei Sinnenzu sein ? zumindest mußte ihre Stimme vernünftig klingen!Die Stimme aus dem Telephon, an die sie sich zu ihrerQual nur halb erinnern konnte, wartete jetzt mit weiterenUnverständlichkeiten auf. Sie klang, als käme sie aus einerHöhle und als betonte sie mit atemloser Geschwindigkeitjedes »S« so übertrieben, daß es eine Wirkung zischenderAggressivität erzielte.»Sssein Bruder hat Lungenentzündung, so daß sichnicht einmal seine Mätresse um ihn kümmern ?« Die Stimme war weg; dann kam sie wieder mit demSatz: »Sie seien jetzt Freunde!« Dann wurde sie für eine ganze Weile von einem Meerschriller Mädchenstimmen, die vom Schulhof herüberkamen,und von einem Ozean heulender Fabriksirenenüberflutet, begleitet von unzähligen, dicht aufeinanderfolgendenExplosionen. Woher, in aller Welt, hatten die Bewohnerdieser häßlichen Vorstadtquartiere, in deren Mittedie Schule lag, nur diese Knallkörper? Woher nahmensie überhaupt den Elan, so einen entsetzlichen Krawallzu machen? Ziemlich schäbige Leute! Hausten in leberfarbenenKästen. Auf den ersten Blick keine imperiale Rasse.