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Globalisierung und chinesisches Wissen in Japan im 19. Jahrhundert, Globalgeschichte 28

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783593508160
Sprache: Deutsch
Umfang: 364 S.
Format (T/L/B): 2.3 x 21.5 x 14.2 cm
Auflage: 1. Auflage 2017
Einband: Paperback

Beschreibung

Die Traditionen chinesischen Wissens - die Auseinandersetzung mit sinitischen Texten und Ideen - prägten Japans Blick auf die Welt und dessen Reaktion auf die Globalisierung des 19. Jahrhunderts. Zugleich wurden sie selbst von den Folgen globaler Integration beeinflusst. Vom frühneuzeitlichen Konfuzianismus bis zur Sinologie des Kaiserreichs, von der Dichtung bis zur Sprachwissenschaft: Diese Studie beschreibt erstmals umfassend die Transformation eines Wissensfelds, dessen Erforschung oft von der Fixierung auf den Einfluss westlicher Wissenschaften gehemmt wurde, das für ein tieferes Verständnis der japanischen Geschichte jedoch unentbehrlich ist. Globalgeschichte: Herausgegeben von Sebastian Conrad, Andreas Eckert und Margrit Pernau

Autorenportrait

Michael Facius, Dr. phil., ist wiss. Mitarbeiter am Friedrich-Meinecke-Institut der FU Berlin.

Leseprobe

Einleitung Japan stand im 19. Jahrhundert vor der kritischen Aufgabe, seinen Platz in einer gerade entstehenden globalen Ordnung zu behaupten, die von Europa und den Vereinigten Staaten dominiert wurde. Um dem Umfang dieser Aufgabe zu erfassen und sie zu bewältigen war systematisches, gelehrtes Wissen unentbehrlich: Wissen über die Welt und die westlichen Länder, ihre diplomatischen Gepflogenheiten und Waffentechnologien, Institutionen und Ideen. Die Gelehrten, die dieses Wissen schufen, bewegten sich in einer Wissenskultur, die sich auf "chinesisches Wissen" gründete. Diese Wissenskultur prägte die Art und Weise, wie Japan der Globalisierung des 19. Jahrhunderts, also dem Prozess und den Wirkungen globaler Integration, gegenübertrat. Zugleich veränderte sich dadurch chinesisches Wissen selbst. Die Institutionen und Themen am Ende des Jahrhunderts, der gesellschaftliche Status, ja sogar die Begriffe, mit denen man darüber sprach, hatten nur noch entfernte Ähnlichkeit mit ihren Vorläufern von 1800. Die Transformation chinesischen Wissens und die Dynamik wechselseitigen Einflusses von Wissensproduktion und Weltordnung, in der sie sich vollzog - das sind die Themen dieser Studie. Annäherung an den Begriff Da der Begriff "chinesisches Wissen" weder in den Quellen noch in der Literatur auftaucht, ist einleitend zumindest vorläufig zu klären, was damit gemeint ist. Die historischen Akteure und die Forschung kennen eine Reihe von verwandten Bezeichnungen: kangaku und shinagaku im Japanischen, "Chinese learning" im Englischen, Sinologie im Deutschen. Hinzu kommen Begriffe wie Konfuzianismus, die sogenannte "traditionelle chinesische Medizin", aber auch die chinesische Schriftsprache und ihre Erzeugnisse. Innerhalb dieses Wortfelds hat sich die Forschung hauptsächlich an drei Bezeichnungen orientiert: Kangaku, Sinologie und Konfuzianismus. Wie weiter unten ausführlicher besprochen wird, sind diese jedoch aus drei Gründen unvorteilhaft. Erstens sind sie recht eng gefasst: Sinologie verweist üblicherweise auf ein akademisches Fach, Konfuzianismus auf ein Denksystem, Kangaku auf eine Texttradition. Zweitens fluktuieren die Gegenstände, die sich dahinter verbergen, im Verlauf des 19. Jahrhunderts; die Sinologie tritt sogar erst um 1900 in Erscheinung. Drittens ist die Forschung, die unter diesen drei Überschriften betrieben wurde, jeweils mit einflussreichen Erzählungen verbunden, die häufig Blick auf umfassendere Fragen verstellt haben. Über Sinologie wurde häufig als imperiale Wissenschaft gesprochen, über Kangaku als untergehende Tradition, über Konfuzianismus als feudale Ideologie - und alle drei sind mit dem Meisternarrativ der "Modernisierung" verknüpft. "Chinesisches Wissen" bringt demgegenüber die beiden Vorteile mit, nicht belegt und inklusiv zu sein. Es eignet sich daher dazu, lose ein Wissensfeld zu umschreiben, welches sich aus einer Vielzahl von beständig in Veränderung begriffenen Kategorien, Konzepten und Diskursen, aber auch Praktiken, Institutionen und Akteuren zusammensetzt. Dazu gehören Kangaku, Sinologie und Konfuzianismus, aber auch Poesie oder Medizin. Ein solch weiter Begriff macht es erstmals möglich, Forschungsfelder zusammenzubringen, die bisher separat bearbeitet wurden und sie auf ihre Beziehungen zueinander zu befragen. Das erweist sich als nötig, um den Wissenswandel und damit ein zentrales Problem der japanischen Geschichte des 19. Jahrhunderts umfassender zu verstehen. Ein weiterer Vorzug des Begriffs ist die Unbestimmtheit des Attributs "chinesisch". Je nach Akteur und Kontext konnte damit Wissen aus China, Wissen über China, Wissen, das zu China gehört, oder auch Wissen in chinesischem Stil gemeint sein. Ob die "chinesischen" Schriftzeichen zu Japan gehörten oder "chinesischer" Konfuzianismus universell gültig war, darüber hatten schon japanische Intellektuelle ganz unterschiedliche Vorstellungen. Erst recht lässt sich für Historikerinnen heute ein Wissensfeld, das über Jahrhunderte in einem trans

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