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Glücksspieler/Liebes Leid und Lust

Zwei Romane in einem Band

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783453406926
Sprache: Deutsch
Umfang: 781 S.
Format (T/L/B): 4.2 x 18.8 x 12 cm
Einband: kartoniertes Buch

Beschreibung

Zwei Frauen und ein Mann stehen vor der Frage, ob sie alles riskieren wollen, um alles zu gewinnen. Eine junge Schauspielerin kämpft bis an die Grenzen für ihre Liebe, obwohl alles gegen diese Liebe spricht. Mitreißend erzählt Amelie Fried in ihren beiden Romanen von Liebe, Leidenschaft und Verrat. Zwei Bestseller von Amelie Fried im Doppelband!

Leseprobe

Obwohl er tot war, schaffte es Monas Vater immer noch, ihr ein schlechtes Gewissen zu machen. Das lag vielleicht daran, dass Mona eigentlich immer ein schlechtes Gewissen hatte. Oder daran, dass der Blumenschmuck, den sie für die Beisetzung bestellt hatte, so spärlich ausgefallen war. Vielleicht war der Grund dafür aber auch, dass sie in ihrem Inneren vergeblich nach einem Gefühl von Trauer suchte. Da war keine Trauer. Kein Schmerz. Nur ein Gefühl von Erleichterung, gepaart mit einer leichten Ratlosigkeit. Der Sarg stand wenige Meter vor ihr in der Apsis der Friedhofskapelle, und für einen Moment hatte sie das Gefühl, ihr Vater blicke von irgendwoher missbilligend auf die eintreffenden Trauergäste. Niemand schien von seinem Weggang erschüttert zu sein. Einige weitläufige Verwandte hatten sich eingefunden, ein paar frühere Patienten, Vertreter ärztlicher Standesorganisationen, seine langjährigen Praxishelferinnen. Freunde hatte er wohl nicht gehabt, wie Mona ohne großes Erstaunen konstatierte. Da drüben entdeckte sie Willi, seinen alten Studienkollegen. Er würde die Trauerrede halten. Wo Kim nur wieder blieb? Beunruhigt ließ Mona ihre Blicke über die halb gefüllten Stuhlreihen Richtung Eingang wandern. Sie sah ihre Schwester durch den Mittelgang eilen, die Jacke offen, die lockige Mähne unfrisiert, in Minirock und Stiefeln. Sie schob sich auf den freien Platz neben ihr. Mona bedachte sie mit einem strafenden Blick. "Mach mich bloß nicht an!", sagte Kim aggressiv. "Ich hab keinen Ton gesagt", gab Mona zurück. "Ich dachte nur, wenigstens zur Beerdigung deines Vaters könntest du mal pünktlich sein." "Davon hat er auch nichts mehr." Die Orgel setzte ein, die Trauergäste räusperten sich und setzten sich zurecht. Eine Sopranistin der städtischen Oper, die Mona für ein exorbitantes Honorar engagiert hatte, sang das Ave Maria. Die anschließende Predigt rauschte an Mona vorbei. Erst als Willi ans Rednerpult trat, kehrte ihre Aufmerksamkeit zurück. Er hielt eine dieser grauenvoll verlogenen Reden, bei der jeder, der ihren Vater näher gekannt hatte, sich vor Peinlichkeit winden musste. Er rühmte die Verdienste des Verstorbenen als Arzt und Vater, sprach von seiner großen Menschlichkeit, seiner Fähigkeit, Freundschaften zu schließen und zu pflegen. "Mein Freund Herbert war einer der Besten", schloss Willi mit brechender Stimme, "und die Besten gehen immer zu früh." Die Wahrheit war, dass die beiden als junge Ärzte einen katastrophalen Kunstfehler begangen und gemeinsam vertuscht hatten. Bei einer Leistenbruchoperation war der diabeteskranke Patient wegen eines Narkosefehlers ins Koma gefallen und später gestorben. Ein letztes Mal erhob sich die Stimme der Sopranistin und füllte den hohen Raum. Gegen eine flüchtige Rührung kämpfte Mona an, indem sie den Minutenpreis der Künstlerin ausrechnete. Kim starrte unbeteiligt in die Luft. Wieder meldete sich Monas schlechtes Gewissen. War es möglich, dass sie beide so wenig für ihren Vater empfanden? Als Kinder hatten sie um ihn gebuhlt, um seine Liebe rivalisiert. Kim, die acht Jahre Jüngere, mit dem unschuldigen Charme des Kleinkinds, Mona mit den Waffen der Heranwachsenden. Viel später, als sie erkannt hatten, dass keine von ihnen diesen Wettstreit würde gewinnen können, hatten sie sich von ihm abgewandt. In den letzten Jahren hatte Mona noch mal versucht, ihm näher zu kommen. Aber mit dem Alter war ihr Vater noch egozentrischer, unbelehrbarer und starrsinniger geworden. So war ihr Versuch nicht viel mehr gewesen als das verzweifelte Aufbäumen eines abgewiesenen Kindes; für Mona nur die letzte in einer langen Reihe von Demütigungen. Die Trauergäste erhoben sich jetzt und folgten dem Sarg zur Grabstelle. Vor diesem Moment hatte Mona sich gefürchtet. Nicht nur, dass sie die Schaufel nehmen und Erde auf den Sarg werfen musste, eine Geste, die ihr schon im Kino immer die Tränen in die Augen trieb; nein, sie und Kim würden am Rande des Grabes stehen bleiben und die Kondolenzbezeugungen ent