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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783446202672
Sprache: Deutsch
Umfang: 576 S.
Format (T/L/B): 3.8 x 21 x 13.5 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Großartig und bewegend: Die Geschichte der schwedischen Pfingstbewegung: Lewi Petrus, der Gründer,und Sven Lidmann, der Verkünder, Schriftsteller und Dichter der Gemeinschaft, könnten unterschiedlicher nicht sein. Und doch erschaffen beide eine der größten Glaubensbewegungen des 20. Jahrhunderts. Ein Roman über Freundschaft, Leidenschaft, Macht und Machtmissbrauch.

Autorenportrait

Per Olov Enquist, 1934 in einem Dorf im Norden Schwedens geboren, lebte in Stockholm und starb am 25. April 2020 in Vaxholm. Nach dem Studium arbeitete er als Theater- und Literaturkritiker. Er zählt heute zu den bedeutendsten Autoren Schwedens. Bei Hanser erschienen unter anderem Der Besuch des Leibarztes (Roman, 2001), Der fünfte Winter des Magnetiseurs (Roman, 2002), Hamsun (Eine Filmerzählung, 2004), Das Buch von Blanche und Marie (Roman, 2005), Kapitän Nemos Bibliothek (Neuausgabe, 2006), seine Autobiographie Ein anderes Leben (2009), für die er den renommiertesten schwedischen Literaturpreis, den August-Preis, erhielt, Die Ausgelieferten (Neuausgabe, 2011) sowie Das Buch der Gleichnisse (Roman, 2013). 2003 erschien sein erstes Kinderbuch Großvater und die Wölfe; 2011 folgte Großvater und die Schmuggler. 2017 erschienen diese beiden erfolgreichen Einzeltitel als Sammelband Abenteuer mit Großvater.

Leseprobe

Lewi und Sven sollten sich noch einmal begegnen. Eines Tages im Frühsommer 1954 hatte jemand Lewi angerufen und ihm gesagt, Lidman wolle ihn treffen. Die Kontaktperson hatte gesagt, Lidman meine es aufrichtig. Er habe über das Ganze nachgedacht und es bereut, habe gesagt, der Grund für den Angriff sei gewesen, daß &8250;die Liebe in seinem Herzen erloschen war&8249;. Niemand konnte erklären, was dies eigentlich bedeutete, aber ein Treffen wurde verabredet. Es sollte zu Hause bei Lewi auf Bredden stattfinden. Lewi wie auch Sven waren vor der Begegnung nervös gewesen, sie hatten sich auf der Treppe getroffen und sich die Hand gegeben und einander in die Augen gesehen, und da, plötzlich und ohne daß einer von ihnen es erklären konnte, war alles, wie es früher gewesen war. Sie hatten zusammen mit Brita und Lydia zu Abend gegessen und &8250;alte Erinnerungen aufgefrischt&8249; und gescherzt. Und es war unfaßbar, oder eine Gnade Gottes. Lewi war siebzig Jahre alt. Sven war zweiundsiebzig. Nach dem Essen hatte Lewi vorgeschlagen, daß die beiden einen Spaziergang auf der Höhe machen sollten. Sie waren weit gegangen, es war ein sehr schöner Frühsommerabend, und sie hatten über die alten Zeiten gesprochen, und dann, plötzlich, war Lewi stehengeblieben, hatte Svens Arm ergriffen und gesagt: 'Sag mal, hatten wir nicht mächtig viel Spaß in den Jahren, in denen wir zusammengearbeitet haben?' Da hatte Sven die Hände gefaltet, sie vor sein Gesicht gehalten und mit einer Stimme so voller Trauer und Verzweiflung, daß Lewi Tränen in die Augen kamen, gesagt: 'Und so etwas hat man zerschlagen!' 'Aber es kann repariert werden', hatte Lewi entgegnet. Sven hatte ihn jedoch nur lange angesehen, mit Tränen in den Augen, hatte ihn untergehakt und kehrtgemacht, und dann waren sie nach Hause gegangen, den Höhenzug entlang. Es war zu spät. Es war zu spät. Das war das letzte Mal. Danach sahen sie sich nicht wieder.

Lewi selbst beschreibt die Begegnung in einem seiner letzten Bücher, bevor er starb. Er sagt, er habe Sven Lidman als einen der besten Freunde seines Lebens lieben gelernt, und nie damit aufgehört. Für den Verlust Svens gab es nie einen Ersatz. &8250;Wir waren so verschieden, wie zwei Menschen nur sein können, aber wir ergänzten einander.&8249; Vielleicht war die Liebe gegenseitig. Viele Sommer sind vergangen seit ihrer letzten gemeinsamen Wanderung, die Inschriften auf Gottes Acker sind noch undeutlicher geworden, Efraim ruht dort in seiner Landesflucht; vielleicht hatte er in einer letzten Protesthandlung, nachdem er aus der Gemeinde ausgestoßen worden war, die er so geliebt hatte, die große ökumenische Gemeinde in dem europäischen geistlichen Haus gewählt, wo er sich in dieser seiner letzten Diaspora mit den anderen austauschen konnte. Auch mit ihr, die gering war, aber ihr Bestes tat. Ich kann mir fast die Gespräche vorstellen unter den viereckigen Steinplatten, die den Fußboden und das Dach des eigentümlichen europäischen 20. Jahrhunderts bilden, der Erweckungsbewegung und der Vernunft, des Radikalpietismus und der Aufklärung, der Verzweiflung und der Ekstase, der Hoffnung und der Verwirrung. Aber ich glaube, Efraim hätte sich gefreut, wenn er gesehen hätte, wie Lewi und Sven sich dieses letzte Mal trafen. Er hätte gesagt, daß es ziemlich schön ist. Niemand sah ja Lewi und Sven auf ihrer Wanderung, bei diesem ihrem letzten Treffen, aber hätte Efraim es gesehen, ich glaube, er hätte &8211; ja, Frieden empfunden. Der große Magere und der dünne Kleine, Arm in Arm, eigentlich ein ziemlich lustiges Paar, nicht komisch, aber ein bißchen lustig, zwei lustige Menschen. Und daß sie Efraim, als sie unter den Bäumen des Höhenzugs verschwanden, an damals erinnert hätten, an Kölingared, als Sven und Lewi sich zum allerersten Mal trafen. Sie hatten einander unte ... Leseprobe